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Informationen für Arbeitnehmer

BETRIEBLICHES EINGLIEDERUNGSMANAGEMENT (BEM)

Lange oder chronisch erkrankt? Nutzen Sie das BEM!


In der Arbeitswelt haben es Menschen mit einer langwierigen bzw. chronischen Erkrankung oft schwer. Mit zunehmender Dauer der Erkrankung steigt die Gefahr einer anhaltenden Arbeitsunfähigkeit bzw. Dienstunfähigkeit. Um dem zu begegnen, wurde das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) geschaffen. Jeder Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, Beschäftigten, die entweder ohne Unterbrechung 6 Wochen krank waren oder innerhalb der letzten 12 Monate insgesamt mindestens 6 Wochen arbeits- bzw. dienstunfähig waren, ein BEM anzubieten (§ 167 Abs. 2 SGB IX). Arbeitnehmer sollten das BEM als Angebot und Chance sehen, um mit Unterstützung ihres Arbeitgebers wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren.

Ziel des BEM ist, dass der betroffene Arbeitnehmer trotz gesundheitlicher Einschränkungen einer entlohnten Arbeit nachgehen kann und erwerbsfähig bleibt. Dazu müssen ggf. der Arbeitsplatz bzw. die Arbeitsumgebung des betroffenen Arbeitnehmers sowie die Arbeitsabläufe umgestaltet werden. Wenn eine Anpassung des Arbeitsplatzes nicht möglich ist, muss der Arbeitgeber prüfen, ob der Betroffene im selben Betrieb auf einem anderen Arbeitsplatz eingesetzt werden kann. Der Arbeitgeber muss letztlich alles unternehmen, um dem erkrankten Arbeitnehmer eine Weiterbeschäftigung zu ermöglichen.

Die Teilnahme am BEM ist für den betroffenen Arbeitnehmer freiwillig. Der Betroffene entscheidet selbst, ob er das BEM in Anspruch nehmen will, wer ggf. bei der Durchführung des BEM beteiligt werden soll und welche persönlichen Angaben im Zuge des BEM weitergegeben werden dürfen (der Betroffene muss seine Diagnosen nicht offenbaren!). Für ein erfolgreiches BEM empfiehlt es sich, möglichst alle im konkreten Fall betroffenen Beteiligten in das Verfahren einzubinden, dies können sowohl betriebsinterne [1] als auch externe Personen sein.

Da es beim BEM immer um gesundheitliche Beeinträchtigungen von Beschäftigten geht, spielt der Betriebsarzt eine wichtige Rolle. Der Betriebsarzt weiß, wie Arbeitsplätze bzw. Arbeitsabläufe umgestaltet werden müssen, damit ein weiterer Einsatz des Betroffenen trotz gesundheitlicher Einschränkungen möglich ist. Im geschützten Raum des Arzt-Patienten-Gesprächs können alle Möglichkeiten des weiteren Einsatzes in Ruhe besprochen werden, ohne dass Betroffene befürchten müssen, dass individuelle medizinische Informationen nach außen dringen, denn der Betriebsarzt unterliegt natürlich der ärztlichen Schweigepflicht!

Ein bereits begonnenes BEM kann jederzeit abgebrochen und ggf. auch wieder aufgenommen werden. Es entstehen für den Betroffenen keine arbeits- oder dienstrechtlichen Nachteile, wenn die Durchführung eines BEM abgelehnt wird oder das BEM keinen Erfolg hat. Kommt es allerdings zu einer krankheitsbedingten Kündigung, kann der Arbeitgeber bei einem von Arbeitnehmer-Seite abgelehnten BEM die Kündigung vor Gericht leichter verteidigen.

Stand: Januar 2018

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Quellen und weiterführende Literatur

BMAS: Schritt für Schritt zurück in den Job. September 2016


 

[1] Soweit ein Betriebs- oder Personalrat in dem Unternehmen vorhanden ist, muss dieser mit eingebunden werden.

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